Wie war das damals mit der Integration in Baden-Württemberg?

Das Gespräch mit den Göppinger Schülern machte beiden Seiten viel Freude.

Es ist kein Geheimnis: Die mehr als eineinhalb Millionen Menschen, die im Zuge ihrer Vertreibung nach Baden-Württemberg gekommen sind, haben Erfolgsgeschichte geschrieben. Sie haben sich - ungeachtet aller widrigen Umstände und Schwierigkeiten der Nachkriegszeit - im deutschen Südwesten eingelebt, sich eingebracht und den Bundesland gemeinsam mit den Einheimischen zum “Musterländle” der Bundesrepublik gemacht.

Erzählwerkstatt: Schüler und Senioren entdecken gemeinsame Erfahrungen.

Wie dieser Erfolg zustande gekommen ist, wie die Menschen in den Nachkriegs-jahrzehnten miteinander umgegangen sind, was aus diesem Nebeneinander, Gegeneinander und Miteinander für die Gegenwart und die Zukunft gelernt werden kann, das erfuhren jetzt die 25 Schülerinnen und Schüler aus der 9. Klasse der Hermann-Hesse-Realschule Göppingen. Je zwei der jungen Leute hatten einen Zeitzeugen als Gesprächspartner.

"Ihr und Wir": 28 Vitrinen erzählen die Geschichte der Integration.

Nach dem kurzen Kennenlernen besuchten die Vertreter der jüngeren und älteren Generation miteinander die Ausstellung über die Integration der Heimatvertriebenen in Baden-Württemberg. Jede der Gesprächsgruppen suchte sich in den Vitrinen “ihr” Exponat und “ihre” Geschichte. Von dieser ausgehend erschlossen sie sich die gesamte Ausstellung: Zwangseinweisungen und Siedlungsbau, Integration mit Hilfe der Kirchengemeinden oder der Sportvereine - schnell war ein gemeinsam interessierendes Thema gefunden und angesprochen. Das Erlebnis des gemeinsamen Entdeckens machte allen viel Freude.

Fremd in neuer Heimat: Ein Thema damals wie heute

Vieles hatten die Zeitzeugen aus eigener Anschauung und aus eigenem Erleben zu berichten. “Vieles, was die Senioren uns Jungen von damals berichten, erleben wir auch heute”, stellte einer der Schüler fest. Seine Schulkameradin bestätigte: “Fremde können bei uns auch heute noch Ausgrenzung, Intoleranz und das Gefühl von Isolation erleben, wenn sie neu in einen Ort oder in eine Schulklasse kommen.” Die Generationen übergreifenden Begegnungnen im Haus der Geschichte verliefen nicht einseitig. Stadtseniorenrätin Christa Hell unterhielt sich zum Beispiel mit einem Jungen, der ihr sehr genau und ausführlich die Erlebnisse seiner vertriebenen Großeltern schilderte.

Weitere Senioren gesucht

Experiment "Erzählwerkstatt": Fortsetzung folgt

Solche Jung und Alt bereichernden Begegnungen müssen fortgeführt werden, das ist die übereinstimmende Meinung aller, die das Experiment “Erzählwerkstatt” im Haus der Geschichte mitgestaltet haben. “Wir hoffen”, sagt Museumspädagogin Caroline Gritschke, “unser gelungenes Experiment spricht sich auch unter den Senioren herum.” Aktuell gibt es an den Schulen eine so große Nachfrage an der “Erzählwerkstatt”, dass bereits eine Warteliste angelegt wurde. Denn es fehlt an Senioren, die mitmachen. Gritschke: “ Es wäre toll, wenn sich bei uns weitere Senioren als Zeitzeugen und Gesprächspartner der interessierten jungen Leute melden würden.” Diesem Wunsch kann entsprochen werden durch einen Griff zum Telefon.

Caroline Gritschke ist zu erreichen unter der Rufnummer 0711.212.39.69 oder der E-Mail-Adresse caroline.gritschke(at)hdgbw.de.