Ein Musterbeispiel deutsch-französischer Freundschaft

Die deutsch-französischen Beziehungen sind für Europa von großer Bedeutung: Der französische Generalkonsul in Stuttgart, Christian Dumon.

Der französische Generalkonsul in Stuttgart, Christian Dumon, ist ebenfalls stolz. In seiner Begrüßungsansprache weist er freudig auf die enge partnerschaftliche Beziehung der beiden Städte hin und unterstreicht die große Bedeutung der deutsch-französischen Beziehungen, die schließlich die Grundlage bilden für Europa. Die Tübinger Kulturamtsleiterin Daniela Rathe bezeichnet die Städtepartnerschaft als »äußerst lebendig«. Dennoch gelte es, sagt Rathe, die Beziehungen noch weiter auszubauen. Museumsleiter Thomas Schnabel freut sich über das ergiebige Thema: Angesichts von 400 deutsch-französischen Städtepartnerschaften gehe der Stoff für Ausstellungen in der Museumsabteilung »Grenz-Fall Frankreich« in den nächsten Jahrhunderten nicht aus. Ausstellungsleiterin Paula Lutum-Lenger bedankt sich bei den Leihgebern für die große und bereitwillige Unterstützung, welche die Ausstellung erst möglich gemacht habe.

Ausstellungsleiterin Paula Lutum-Lenger führt durch die Ausstellung.

»Grenz-Fall Frankreich« - So heißt die Museumsabteilung im Haus der Geschichte, in der die Beziehungen zwischen Baden-Württemberg und Frankreich thematisiert werden. Im jährlichen Wechsel stehen dort besonders interessante Städtepartnerschaften im Mittelpunkt. Seit 21. Februar zeigt das Haus der Geschichte für ein Jahr die beeindruckende Geschichte der Städtepartnerschaft zwischen Tübingen und Aix-en-Provence, deren Zustandekommen anfangs keineswegs selbstverständlich war. Die schmerzlichen Erinnerungen an die deutschen Verbrechen im Zweiten Weltkrieg waren in Aix-en-Provence in den 1950er Jahren noch sehr lebendig. Um so beeindruckender ist es, welch tiefe Verbindungen seitdem zwischen den Menschen aus beiden Städten bzw. Ländern entstanden sind. Jean Magnan von den Naturfreunden Aix-en-Provence beispielsweise hatte als Kind den Zweiten Weltkrieg erlebt und „die Deutschen“ nur als Feinde gekannt. 1970 besuchte er jedoch Tübingen und lernte die dortigen Naturfreunde kennen. Daraus entstand eine herzliche Verbindung, die bis heute anhält. 1990 halfen die Tübinger unter der Leitung von Helmut Schmitt ihrem Freund dabei, nach einem verheerenden Waldbrand den Aixer Hausberg, die „Montagne Sainte Victoire“, wieder aufzuforsten.

Stefan Zauner von der Universität Tübingen freut sich über das gelungene Filminterview.

Umgekehrt fanden auch Besucher aus Tübingen Freunde in Aix-en-Provence. Der Funkamateur Ulrich Bihlmayer verbrachte die Sommerferien 1975 auf einem Campingplatz in der Nähe der Partnerstadt. Als seine beiden Töchter schwer erkrankten, schickte er auf gut Glück einen Hilferuf an die französischen Funkamateure. René Caramel aus Aix-en-Provence antwortete und half spontan: Ohne die deutsche Familie vorher gekannt zu haben, nahm er die kranken Kinder in sein Haus auf und versorgte sie mit Medikamenten. Die beiden Funker wurden dadurch zu guten Freunden. Über 30 Jahre lang, bis zum Tod René Caramels, hielten sie nicht nur Funkkontakt, sondern besuchten sich auch regelmäßig.

Eine Besonderheit der Städtepartnerschaft ist der Umbrisch-Provenzalische Markt, der jedes Jahr in Tübingen stattfindet. Händler aus den Partnerstädten Aix-en-Provence und Perugia bieten dort eine exquisite Auswahl an typischen Produkten ihrer Heimat an. 2004 lernten die Kinder eines Tübinger Kindergartens dort Odile Ihringer kennen, eine Lavendelbäuerin aus der Provence. Die Provenzalin schenkte den Kindern Lavendelblüten, aus denen sie Lavendelsäckchen bastelten. Auch in diesem Fall blieb es nicht bei einer einmaligen Begegnung. Die Kinder luden Frau Ihringer im nächsten Jahr in den Kindergarten ein, wo sie die Bastelarbeit besichtigte. Die Kindergärtnerin Anneliese Dreher-Kunz und Odile Ihringer haben heute noch herzlichen Kontakt.

Diese und andere Geschichten zeigen, dass die Verbindung zwischen Aix-en-Provence und Tübingen fest in den Bevölkerungen beider Städten verwurzelt ist und echte Freundschaften hervorgebracht hat unter anderem die zwischen der Lavendelbäuerin und den Kindern um Stephanie.