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Volles Haus: Ministerpräsident Oettinger eröffnet Große Landesausstellung "Ihr und Wir"Der Konzertsaal der Musikhochschule ist an diesem Donnerstag nachmittag bis auf den letzten Platz gefüllt. Es sind viele gekommen, welche die große Integrationsleistung im deutschen Südwesten würdigen wollen: Leihgeber, die mit ihren Objekten die Geschichte der Heimatvertriebenen dokumentieren, Vertreter der in Baden-Württemberg ansässigen Landsmannschaften und des Bundes der Vertriebenen, Vertreter der Landesregierung, neben Ministerpräsident Oettinger ist unter anderem auch Innenminister Heribert Rech anwesend, sowie Landtagsvertreter und natürlich wieder viele langjährige Freunde des Hauses. "Glücksfall für Baden-Württemberg" »Schwerpunkt der Ausstellung ist nicht der Leidensweg von Flucht und Vertreibung, sondern das Ankommen der Menschen in der neuen Heimat« sagt Thomas Schnabel, der Leiter des Hauses der Geschichte, in seiner Begrüßungsansprache und skizziert damit das Anliegen der Ausstellung, die bewusst neue Wege gehen will. Ministerpräsident Oettinger betont in seiner Ansprache die Bedeutung der Heimatvertriebenen für den Südweststaat: »Baden-Württemberg hat den 1,5 Millionen Heimatvertriebenen, die nach dem Zweiten Weltkrieg in den Südwesten kamen, viel zu verdanken.« Nach Oettingers Ansicht waren die Neuankömmlinge ein Glücksfall für das Land und haben das Zusammenwachsen von Baden und Württemberg zu Baden-Württemberg entscheidend gefördert. "Integrationsland seit seiner Geburtsstunde" Diesen Gedanken nimmt Mathias Beer vom Institut für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde in seinem Vortrag auf: Kein anderes Ereignis habe den Südwesten mehr verändert als die Zuwanderung der Heimatvertriebenen, und ein Zurück gab es, sagt Beer, für beide Seiten nicht mehr: »Nicht für die Vertriebenen und nicht für die Alteingesessenen.« Beer ist der festen Überzeugung: »Baden-Württemberg ist Integrationsland seit seiner Geburtsstunde.« "Ein überzeitliches Phänomen" Ausstellungsleiterin Paula Lutum-Lenger skizziert in ihrem Vortrag den neuen Ansatz der Ausstellung. Sie erzählt beispielhaft die anrührende Geschichte schlesischer Kinder und Frauen, die unter dramatischen Umständen kurz nach Kriegsende am Stuttgarter Bahnhof ankommen, anhand eines zeitgenössischen Zeitungsartikels und warnt dennoch, dass sich bestimmte Bilder nicht verfestigen dürfen: Gegen das seit Jahrzehnten immer wieder gezeigte Bild des Bollerwagens setzt die Ausstellung deshalb 28 Geschichten, die von Arbeit, Familie, Kirche und Sport in der neuen Heimat handeln. »Jede Vitrine erzählt von der Begegnung zwischen Vertriebenen und Alteingesessenen.« Der Blick in die Gegenwart zeigt, so Lutum-Lenger, dass es sich bei dem Thema Vertreibung um ein "überzeitliches Phänomen" handelt. Das genau sei auch der Ansatz der Ausstellung. Für die musikalische Umrahmung sorgt das Jazz-Quartett Peter Schindler. Es interpretiert bekannte Volkslieder virtuos auf völlig neue Art und Weise - Lieder die ihren Ursprung in Böhmen, Pommern, Schlesien oder Ostpreußen haben. Das Publikum zeigt sich begeistert und dankt den Musikern mit lang anhaltendem Applaus. Auch der Ministerpräsident ist offenbar echter Jazzfan - und bedankt sich bei den Künstlern per Handschlag. |
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