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Respekt gegenüber anderen Religionen ist für Landesbischof July keine EinbahnstraßeNein, das kann er sich nicht vorstellen, der württembergische Landesbischof Frank Otfried July. “Evangelische Kirchen und Gemeindeeinrichtungen werden nicht in Moscheen umgewandelt.” Das sagt er am Sonntag im Haus der Geschichte Baden-Württemberg. Anlass seiner Klarstellung ist die Frage nach der gegenwärtigen Finanzlage der württembergischen Landeskirche. Die Ausgaben sind höher als die herein kommende Kirchensteuer. “Wir müssen inzwischen auf unsere Rücklagen zugreifen, um unseren Haushalt auszugleichen.” Und auch der Verkauf kirchlicher Immobilien ist kein Tabu mehr. Doch für ihn und die Landeskirche komme es darauf an, mit der Veräußerung eines Kirchengebäudes “kein schwieriges symbolisches Zeichen zu setzen”, wie es die anschließende Umwandlung in eine Moschee darstellen würde. Freundlich ist er, der württembergische Landesbischof. Und sympathisch. Um keine Antwort verlegen. Seine Antworten kommen schlagfertig, und sie kommen wohl bedacht, sie bringen seine Zuhörer zum Lachen und zum Nachdenken. Und manchmal, das gesteht er sich selbst zu, antwortet er “wie ein Politiker”. Ja, sagt er, “wir lernen auch von den Weltlichen.” Fremdheit respektieren Gegen den Islam und die Muslime hat Frank Otfried July keine Vorbehalte. Auch wenn er mit Sorge zur Kenntnis nehmen musste, wie zum Beispiel der Anteil der griechisch-orthodoxen Christen in der Türkei durch staatliche Repression und türkischen Nationalismus sich von gut 250 000 Menschen auf nur noch wenige Tausend verringert hat. Kritisch sieht er auch, wie der Außenamtsleiter der russisch-orthodoxen Kirche die Frauenordination der Evangelischen Kirche in Deutschland bewertet. Ungeachtet solcher Vorkommnisse begegnet der Aufsichtsratsvorsitzende von “Brot für die Welt” den Muslimen genau so offen wie anderen Religionsgemeinschaften. Das entspricht seinem Naturell, seinen vielen Erfahrungen im In- und Ausland mit Vertretern anderer Konfessionen und seinem Selbstverständnis als “leidenschaftlicher Ökumeniker”. “Begegnungen mit anderen zählen zum kirchlichen Kerngeschäft.” Der jeweils andere, fordert July ein, sei in seiner Fremdheit zu respektieren. Nur auf diese Weise seien Gespräche miteinander möglich und gemeinsame Ziele erreichbar. “Gelassen bleiben” Der Blick auf die Entwicklung des Kirchensteueraufkommens ist für Frank Otfried July kein Anlass, in Hysterie zu verfallen. Es ist ihm klar, dass dieser Trend wesentlich mit der gesellschaftlichen Entwicklung zu tun hat. “Bestimmte Milieus erreichen wir zur Zeit gar nicht mehr.” Und er teilt die Sicht seiner Gesprächspartnerin, dass Menschen auch im deutschen Südwesten sich auf der Sinnsuche mehr und mehr bei anderen spirituellen Anbietern umsehen. Die Evangelische Kirche habe leider “kein Instrumentarium parat”, mit dessen Hilfe die Kirchenaustritte sich halbieren oder gar anhalten ließen. Statt darüber depressiv zu werden und einer Untergangsstimmung zu verfallen, betrachtet der Landesbischof die seiner Kirche abträglichen Phänomene von einem anderen Standpunkt aus: “Noch nie haben so viele Menschen sich freiwillig zur Kirche bekannt und dort ehrenamtlich engagiert.” Selbstverständlich lasse man die Dinge nicht treiben. Die Kirche bemüht sich um die ihr Verbliebenen, und sie sucht nach Wegen, andere Milieus zu erreichen. Im übrigen fordert er dazu auf, gelassen zu bleiben. Es habe manchmal den Eindruck als “wissen wir nicht, wie stark wir wirklich sind.” Kooperation statt Fusion Würden die evangelischen Kirchen in Baden und in Württemberg sich zusammenschließen, würde mit 3,6 Millionen Gläubigen die größte und mitgliederstärkste Landeskirche in Deutschland entstehen. Dieser Vision hat sein badischer Amtskollege Ulrich Fischer bereits eine Absage erteilt. Frank Otfried July antwortet auf die Vision von Größe und Stärke als Pragmatiker, der das Optimale sucht. Aus theologischer Sicht hält er den derzeitigen Zustand für besser. “Denn der Landesbischof einer baden-württembergischen Landeskirche ist zu weit von den Menschen weg.” Er könnte daher seinem festgeschriebenen seelsorgerischen Auftrag nicht gerecht werden. Doch sieht July Möglichkeiten zu konkreten Kooperationen beider Landeskirchen. Sie würden synergetische Effekte bringen und könnten auf diese Weise Teil einer Lösung bestehender organisatorischer und finanzieller Probleme sein. Stark sein auch im Glauben Das Starksein hat der evangelische Landesbischof gelernt. Nicht nur an der Glaubensfront musste und muss er bestehen. Als jüngster Bischof der württembergischen Landeskirche hat er mit 50 Jahren das verantwortungsvolle Amt angetreten. Schon im ersten Wahlgang haben die Synodalen ihn gewählt - Vertrauen, welches er täglich rechtfertigen will. Als Kirchenmann, der auch katholische Theologie studiert hat, hat er der evangelischen Kirche in vielen Funktionen gedient. Als erster Theologe hat er die Führungsakademie des Landes in Karlsruhe absolviert. Seine Managerqualitäten hat er dann im Arbeitsalltag in der Diakonie in Schwäbisch Hall vielfach unter Beweis gestellt. Hier war er gefordert, den betriebswirtschaftlichen Anforderungen gerecht zu werden, ohne den theologischen Hintergrund zu vergessen. Gefordert war und ist Landesbischof July auch als Familienvater und Ehemann. Vier Kindern hat er das Rüstzeug für ein verantwortungsbewusstes christliches Leben mitgegeben, und diese Kinder haben ihn nicht nur als Vater, sondern auch in seinem Bekenntnis zum evangelischen Glauben gefordert. Schließlich - so gewährt er weiteren Einblick in sein privates Leben - hat ihn eine schwere Krankheit seiner Frau vor die Frage gestellt, wie er es mit seinem Glauben hält. Der Landesbischof überzeugt mit seiner festen und klaren Antwort: “Dieses persönliche Schicksal hat uns beide in unserem Glauben gestärkt.” |
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