Klanginstallation im Haus der Geschichte zum 70. Jahrestag der Deportation der württembergischen Juden – Rund um die Uhr vom 1. bis 4. Dezember 2011
Zum siebzigsten Mal jährt sich am 1. Dezember 2011 die erste Deportation von Juden aus Württemberg/Hohenzollern. 959 Menschen wurden damals in einem vier Tage dauernden Transport nach Riga deportiert, nur wenig überlebten. Das Haus der Geschichte Baden-Württemberg nimmt diesen Jahrestag zum Anlass, um mit der von dem Stuttgarter Komponisten Florian Käppler geschaffenen “Symphony of the Names” an die Opfer dieser ersten Deportation zu erinnern.
Für sein Projekt ordnete Käppler jedem Buchstaben des Alphabets einen bestimmten Ton zu, jeder Name ergibt also eine kleine individuelle Partitur. Abgespielt werden die Partituren in alphabetischer Reihenfolge der Namen von einem eigens dafür programmierten Klavierflügel. So werden die Einzelschicksale der Deportierten hinter der reinen Zahl deutlich.
Der Flügel lässt zwischen dem 1. Dezember, 17 Uhr, und dem 4. Dezember, 17 Uhr, ohne Unterbrechung die Namen aller 959 Deportierten im Otto-Borst-Saal des Hauses der Geschichte erklingen. Das entspricht exakt dem Zeitraum, den der Zug 1941 von Stuttgart nach Riga unterwegs war. Das Haus ist rund um die Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei.
Patenschaft übernehmen und forschen
Schulklassen, Vereine, Gruppen und Einzelpersonen können sich aktiv im Rahmen einer Patenschaftsaktion an der Erinnerung an die Deportation beteiligen.
Mitmachen ist ganz einfach: Für zehn Euro (Herstellungskosten) erhalten die Paten ein Kästchen, in dem die gedruckte, individuelle Partitur des jeweiligen Deportierten liegt sowie ein Heft mit weiteren Informationen zur damaligen Deportation und zu diesem Projekt. Hier finden Sie das Heft zum Erinnerungsprojekt zur Ansicht.
Was genau die Paten tun, bleibt ihnen selbst überlassen: Das Kästchen mit der Notenschrift kann zum Beispiel einen besonderen Platz im Lebensumfeld der Paten erhalten. Die Veranstalter wünschen sich natürlich, dass das Notenblatt einen Anstoß für die Auseinandersetzung mit der jeweiligen Person liefert. Dies könnten wichtige Leitfragen für die Beschäftigung mit einem der Deportierten sein: Wer war das? Wie ist sein oder ihr Leben bis zur Deportation verlaufen? Gibt es noch Spuren dieses ausgelöschten Lebens?
Die Ergebnisse dieser historischen Spurensuche, des individuellen oder gemeinsamen Gedenkens sollen im Haus der Geschichte Baden-Württemberg nach einem Jahr, im Dezember 2012, in einer Präsentation dokumentiert werden.
Einige Ideen für die Ausgestaltung der Patenschaft:
- Spurensuche in der Lokalgeschichte: Archive, Bibliotheken, Museen/Gedenkstätten
- Erarbeitung eines Ortsrundgangs auf den Spuren eines der Deportierten
- Dokumentation der Erinnerung vor Ort
- Videotagebuch zur Patenschaft: Was bedeutet die Patenschaft für mich? Wie gestalte ich sie ganz persönlich?
- künstlerische Auseinandersetzung mit Gedenkprozessen - Welche Formen des Erinnerns sind angemessen?
- Befragung von Zeitzeugen in der Familie
- eigene Gedenkveranstaltungen gestalten
- Kurzroman über dieses eine Leben schreiben
- das Notenblatt musikalisch verändern oder erweitern
Nähere Informationen dazu gibt es bei: Museumspädagogin Dr. Caroline Gritschke, Tel.: 0711 . 212.39.69, Mail: caroline.gritschke(at)hdgbw.de oder bei der für das Projekt zuständigen Wissenschaftlerin Dr. Cornelia Hecht, Tel.: 0711 . 212.39.85, Mail: cornelia.hecht(at)hdgbw.de
Der Klangerfinder Florian Käppler
Der Stuttgarter Komponist und Sounddesigner Florian Käppler (42) studierte in Boston, Stuttgart und Hamburg Popmusik und Filmkomposition. Außerdem absolvierte er am Transart Institute in New York den „Master auf Fine Arts und New Media“ mit Auszeichnung. Käppler ist geschäftsführender Gesellschafter der Klangerfinder GmbH, die Audioproduktionen erstellt. Zudem wurde er 2010 zum verantwortlichen Lehrbeauftragten für den Bachelor-Studiengang „Musikdesign“ berufen. Dieser wird an der Staatlichen Hochschule für Musik in Trossingen und an der Furtwangen University angeboten.