Die Ausstellung

Die Ausstellung erzählt in elf Stationen vom Leben des Politikers Matthias Erzberger. In seinem Geburtshaus machen szenisch gestaltete Räume mit originalen Ausstellungsstücken historische Zusammenhänge erfahrbar, erzählen von Erzbergers politischem Wirken und der umkämpften Erinnerung an ihn.

Herkunft aus einfachen Verhältnissen
Familienvater

Im Treppenhaus der Erinnerungsstätte geht es um das private Leben Matthias Erzbergers, seine Geburt 1875, seine Herkunft aus einfachen Verhältnissen und seine Jugend in Buttenhausen sowie schließlich um Matthias Erzberger als Familienvater.

1 Anwalt der kleinen Leute

Erzbergers politische Laufbahn begann als Anwalt der kleinen Leute in Württemberg. Der Journalist (und gelernte Volksschullehrer) schrieb Artikel, hielt vor Arbeitern, Handwerkern und Bauern Hunderte von Vorträgen und half ihnen, sich in Vereinen zusammenzuschließen. Mit einer Kartenprojektion können die Besucher Erzbergers Spuren in Württemberg folgen.

2 Volksvertreter im Reichstag

1903 wurde Erzberger als Vertreter des katholischen Zentrums in den Reichstag gewählt. Der Abgeordnete des Wahlkreises Biberach vertrat die Interessen seiner württembergischen Wähler und kämpfte für mehr Rechte des Parlaments. Aufsehen erregte er, als er Mißstände in der Kolonialpolitik aufdeckte.

3 Erster Weltkrieg

Am Anfang des Ersten Weltkrieges forderte Erzberger die Annexion Belgiens, Polens und des Baltikums durch Deutschland. Weil er als Organisator deutscher Auslandspropaganda und durch seine Verbindungen zum Vatikan sehr gut informiert war, erkannte er verhältnismäßig früh, dass Deutschland den Krieg nicht mehr gewinnen konnte. Deshalb setzte er sich energisch für einen Verständigungsfrieden ein.

4 Waffenstillstand von Compiègne

Erzberger leitete die deutsche Delegation, die in einem Eisenbahnwagen im Wald von Compiègne einen Waffenstillstand abschließen sollte. Weil die militärische Führung einen Waffenstillstand um jeden Preis verlangt hatte, unterschrieb Erzberger die Vereinbarung, die den Ersten Weltkrieg beendete. Ein Hörspiel gibt in der Ausstellung diese dramatische Situation wieder.

5 Erinnerung an Compiègne

An den Waffenstillstand von Compiègne wird in Europa seit jeher ganz unterschiedlich erinnert. In Deutschland war er in den Zwanziger und Dreißiger Jahren in weiten Kreisen als Sinnbild des verlorenen Krieges und des ungerechten Friedensvertrages verhasst; nach 1945 verblasste die Erinnerung. In Frankreich und Großbritannien dagegen wird sie bis heute gepflegt.

6 Versailler Friedensvertrag

Die Weimarer Nationalversammlung stand 1919 vor der schwerwiegenden Entscheidung: Einmarsch der Alliierten in Deutschland oder Frieden zu äußerst harten Bedingungen. Erzberger trug entscheidend zur Annahme des Versailler Friedensvertrages bei, weil er die drohende Besetzung Deutschlands durch die Alliierten und die Zerschlagung des Reiches verhindern wollte.

7 Reichsfinanzreform

Das Reich hatte nach dem Krieg immense Schulden. Riesige Reparationsforderung der Allierten waren zu erfüllen. Innerhalb von neun Monaten ordnete Erzberger als Finanzminister das Steuer- und Finanzwesen neu. Die Steuerhoheit wurde von den Ländern auf das Reich verlagert, der progressive Einkommenssteuersatz drastisch angehoben - Erzberger wollte die Kriegslasten sozial gerecht nach Leistungsfähigkeit verteilen. Er schuf dabei Strukturen, die bis heute Bestand haben.

8 Antirepublikanische Hetze

Erzberger war bei den Gegnern der Weimarer Republik verhasst. Er hatte nicht nur den Waffenstillstand unterzeichnet. Er war auch ein engagierter Streiter für die Demokratie. Maßlose Hetze und Attentatsversuche waren die Folge.

9 Politischer Mord

Am 26. August 1921 wurde Erzberger Opfer eines politischen Attentates. Ehemalige Offiziere, Mitglieder einer antirepublikanischen Geheimorganisation, erschossen ihn in Bad Griesbach im Schwarzwald. Die Mörder wurden zwar ermittelt, aber erst nach dem Zweiten Weltkrieg wegen Mordes verurteilt.

10 Umkämpfte Erinnerung

Die Erinnerung an Erzberger war in der Zwischenkriegszeit Teil der erbitterten Auseinandersetzungen zwischen Befürwortern und Gegnern der Weimarer Republik. Nach dem Zweiten Weltkrieg spielte der Name Erzberger in der politischen Kultur der Bundesrepublik keine Rolle mehr. Erst seit den 1980er Jahren wird vermehrt an diesen Wegbereiter der deutschen Demokratie erinnert.

11 Erzberger heute

“Erzbergers Wirken in entscheidenden Momenten ist ein großartiger Beweis für die Lebenskraft der Demokratie.”
“Sein Name sagt mir zwar was, aber ich weiß nichts über ihn.”
“Natürlich kenne ich Erzberger, er war in der Geschichte wichtig und er sollte es auch noch heute sein, als Vorbild! Er sollte nicht in Vergessenheit geraten.”
“Erzberger hat versucht nach der Katastrophe des Ersten Weltkrieges, so viel wie möglich für Deutschland zu erreichen. Er ist eine demokratische Größe!”
“Nicht nur eines der prominentesten Opfer des rechten Terrors, sondern auch eine der Schlüsselfiguren der jungen deutschen Demokratie”

Fotos: Norbert Pauls und Haus der Geschichte