Cäsar von Hofacker: Vom Anhänger Hitlers zum Widerstandskämpfer

In der 4. Stauffenberg-Gedächtnisvorlesung am 14. November 2009 näherte sich Sohn Alfred von Hofacker dem Bild seines Vaters

Cäsar von Hofacker: War lange dem Nationalsozialismus ergeben, bevor er sich dem Widerstand anschloss. | Foto: Gedenkstätte Deutscher Widerstand

Stuttgart (hdgbw) – Einen eigenwilligen Blick auf den Widerstandskämpfer Cäsar von Hofacker hat am 14. November 2009 dessen Sohn Alfred von Hofacker gerichtet. Vor mehreren Hundert geladenen Gästen , darunter Innenminister Heribert Rech, näherte sich der Jurist im Weißen Saal des Schlosses dem Vater als Zeitzeuge und zugleich mit der Distanz eines ganzen Lebens. Der Titel des Vortrages lautete:  „Cäsar von Hofacker: ein Wegbereiter für und ein Widerstandskämpfer gegen Hitler, ein Widerspruch? Eine persönliche Betrachtung des Sohnes über seinen Vater“. Es war die insgesamt vierte Stauffenberg-Gedächtnisvorlesung.

Alfred von Hofacker: Bewegende Annäherung an die Figur des Vaters | Fotos: Haus der Geschichte / Franziska Kraufmann

„Ein Widerstandskämpfer – von Ausnahmen abgesehen –  war weder ein Held noch ein politischer Prophet, sondern im Einzelfall ein Mensch, der den Strömungen und Versuchungen seiner Zeit anfänglich unterlegen war und erst später, unter Umständen erst nach einer schmerzlichen Auseinandersetzung, zu der Erkenntnis gelangt ist, dass er sich politisch auf einem Irrweg befunden hat.“ So fasste es Alfred von Hofacker  in seinem Vortrag zusammen. Bewusst distanziert sich der Jurist Alfred von Hofacker von einer rein historischen Betrachtung der Ereignisse, die er ausdrücklich dem Fachmann überlassen möchte.

Schüler des Eberhard-Ludwigs-Gymnasiums, das auch die Brüder Stauffenberg besuchten, musizieren zur Gedächtnisvorlesung.

Als Sohn erzählt von Hofacker bewegend sein Verhältnis zum Vater, der, als er selbst gerade neun Jahre alt war, zum Tode verurteilt wurde. Der Vater, ein Cousin der Brüder Stauffenberg, setzte die „Operation Walküre“ am 20. Juli 1944 in Paris um. 30 Jahre lang hat die Familie danach das Bild des Widerstandsvaters auf einen Sockel gehoben und gelobt. Erst 1975, nach dem Tod der Mutter, fallen Alfred Unterlagen in die Hände, die ein ganz anderes Bild des verehrten Vaters zeigen. Cäsar von Hofacker unterstützte und lebte, das ergab eine genauere Betrachtung, den völkischen und nationalsozialistischen Gedanken lange. Unkommentiert zitiert Alfred von Hofacker aus antisemitischen Aufschrieben seines Vaters. Die emotionalen Turbulenzen, die das Gefundene auslösen, lassen sich erahnen. So berichtet Alfred, wie ihn sein Sohn dabei zu trösten versuchte.

Berthold Schenk Graf von Stauffenberg (li.) und Innenminister Heribert Rech

Cäsar von Hofacker wandte sich schließlich vom Nationalsozialismus ab, trat dem Widerstand bei und starb dafür. Auf die Frage bei seiner Vernehmung, warum er sich trotz Frau und fünf Kindern an den politischen Umwälzungen beteiligt habe, antwortete er im Sinne Heines: „Was schert mich Weib, was schert mich Kind, jetzt geht es um mein Vaterland“.

Dieser sehr persönliche, psychologisch und historisch beeindruckende Vortrag wird in seiner Gesamtheit als Publikation in der Reihe der Stauffenberg-Gedächtnisvorlesung im Wallstein-Verlag erscheinen.

Diese Gedächtnisvorlesungen sind bereits erschienen:

  • Stauffenberg und die Junge Generation im deutschen Widerstand, Detlef Graf von Schwerin, Stauffenberg-Gedächtnisvorlesung 2008, Broschur, 30 Seiten, 7,90 €
  • Nichts war umsonst, Hartmut von Hentig, Stauffenberg-Gedächtnisvorlesung 2007, gebunden, 64 Seiten, 9,90 €
  • Brüder Stauffenberg, Richard von Weizsäcker, Stauffenberg-Gedächtnisvorlesung 2006, Broschur, 16 Seiten, 5,90 €

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