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„Für Befehl und Gehorsam muss es eine Grenze geben“General a.D. Wolfgang Schneiderhan, Erster Vorsitzender der Stauffenberg-Gesellschaft, zum Widerstand Stuttgart (hdgbw) – Wolfgang Schneiderhan, ehemaliger Generalinspekteur der Bundeswehr, ist seit November des vergangenen Jahres Erster Vorsitzender der Stauffenberg-Gesellschaft. Die Brüder Stauffenberg und ihr mutiger Einsatz für den Widerstand haben den gebürtigen Riedlinger schon seit Schulzeiten beschäftigt und geprägt. Mit Schneiderhan sprach Stefan Bergmann. Frage: Sie sind seit November 2010 Erster Vorsitzender der Stauffenberg-Gesellschaft: Was bedeutet dieses Amt für Sie - ist es eher eine ehrenvolle Pflicht? Oder ist es gar ein echtes Herzensanliegen? Schneiderhan: Es ist für mich ein Herzensanliegen, und zwar aus mehreren Gründen. Der Widerstand hat mich schon von Schulzeiten an dauerhaft beschäftigt. Ohne die Traditionslinie der Bundeswehr, sich auf diese mutige Tat zu berufen, wäre ich auch nicht Berufsoffizier geworden. Im Zuge meiner Laufbahn habe ich außerdem Zugang zur Familie Stauffenberg bekommen, da Berthold von Stauffenberg, der Sohn von Claus von Stauffenberg, mein Vorgesetzter war. Frage: Welchen Stellenwert haben die Brüder Stauffenberg und ihr Einsatz für den Widerstand für Sie persönlich? Schneiderhan: Wenn man in Deutschland die Uniform der Bundeswehr trägt, ist es wichtig zu wissen, dass es Grenzen des Gehorsams gibt. Der militärische Widerstand gegen Hitler hat dies – wenn auch sehr spät – erkannt. Für mich spielt es eine große Rolle, dass diese Erkenntnis aus dem Militär heraus kam, dass es diese militärische Komponente des Widerstandes überhaupt gegeben hat. Frage: Claus von Stauffenberg war Offizier und hat versucht, Hitler zu töten - seinen obersten Befehlshaber, auf den er einen Eid geschworen hatte. Wie passt das zur heutigen Bundeswehr: Diese betrachtet ihre Soldaten zwar als mündige Bürger in Uniform, funktioniert aber immer noch nach dem Prinzip Befehl und Gehorsam? Schneiderhan: In jeder Armee muss es eine Grenze für das System Befehl und Gehorsam geben. Das bedeutet: Jenseits vom Gehorsam gibt es für den Einzelnen eine Verpflichtung, übergeordneten Werten, dem Gewissen, zu folgen und danach zu handeln. Das ist das Thema Tyrannenmord, das man bis in die Schillerschen Dramen zurückverfolgen kann. Die Soldaten in der Zeit des Naziregimes mussten sich dieser Frage stellen, uns ist dieser Konflikt glücklicherweise erspart geblieben. Frage: Gibt es etwas, was junge Menschen noch heute von Claus und Berthold von Stauffenberg lernen können? Schneiderhan: Man kann viel aus ihrem Schicksal lernen. Zuerst einmal ist es wichtig, behutsam mit dem Begriff Widerstand umzugehen – nicht alles, was zum Protest einlädt, ist gleich Widerstand. Echter Widerstand ist mit einem ungeheuren persönlichen Risiko verbunden. Widerstand verlangt auch persönliche Unabhängigkeit. Dafür bedarf es persönlicher Positionierung in vielen Fragen, man darf nicht wegtauchen, sondern muss Bekenntnisse abgeben, selbst wenn es gerade nicht en vogue ist, eine bestimmte Position zu vertreten. Und schließlich fordert uns die Beschäftigung mit dem Widerstand dazu auf, über die Grenzen von Toleranz nachzudenken – damit nicht die Intoleranz davon profitiert. Wolfgang Schneiderhan, geboren am 26. Juli 1946 in Riedlingen, war von Juni 2002 bis November 2009 Generalinspekteur und damit ranghöchster Soldat der Bundeswehr. Nach dem von einem Bundeswehr-Oberst befohlenen Luftangriff auf zwei Tanklaster bei Kundus in Nordafghanistan im September 2009 lastete Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg dem General Informationspannen an. Am 26.November 2009 musste Schneiderhan seinen Stuhl räumen und wurde zum 31.Dezember 2009 in den Ruhestand versetzt. Seit dem 11. November 2010 ist er Erster Vorsitzender der Stauffenberg-Gesellschaft. |
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