"ANSTÄNDIG GEHANDELT - Widerstand und
Volksgemeinschaft 1933 - 1945"

Sonderausstellung im Haus der Geschichte vom 9. Mai 2012 bis zum 
31. März 2013

Die große Mehrheit der Deutschen behauptete nach dem Ende der NS-Diktatur, "anständig gehandelt" zu haben. Widerstand leistete zwischen 1933 und 1945 tatsächlich aber nur eine kleine Minderheit. Die Ausstellung zeigt am Beispiel konkreter Aktionen, wie sich Einzelne und Gruppen im Kleinen und Großen gegen den Nationalsozialismus zur Wehr setzten. Zugleich beleuchtet sie die Ausgrenzung der Widerstandskämpfer durch die Volksgemeinschaft und die Verfolgung durch das Terrorregime. "Anständig gehandelt" zu haben - wer konnte das nach Ende der NS-Diktatur mit Recht von sich selbst behaupten? Unter welchen Voraussetzungen ist Widerstand eigentlich möglich und geboten? Diese Fragen sollen sich natürlich auch die Besucher stellen.

Zahlreiche bisher unbekannte Geschichten

Anhand außergewöhnlicher Objekte erzählt die Ausstellung einzelne Widerstandsgeschichten. Im Mittelpunkt stehen zahlreiche Widerstandsaktionen mutiger Menschen, die einer breiteren Öffentlichkeit noch nicht bekannt sind. Die Ausstellung folgt aber auch den Spuren des Hitler-Attentäters Claus Schenk Graf von Stauffenberg, schildert, wie die Geschwister Scholl aus Ulm und ihre Freunde der Weißen Rose Flugblätter verbreiteten, und berichtet vom einsamen Handeln des schwäbischen Tüftlers Georg Elser, der am 8. November 1939 im Münchner Bürgerbräukeller Hitler töten und so den Krieg verhindern wollte.

Soldat bei den Briten Foto: Kahn privat

Soldat bei den Briten
1944 kämpft Siegfried Kahn als Mitglied der Britischen Armee in der Normandie gegen Hitlers Truppen. 1939 hatte er als Jude seine schwäbische Heimat nach England verlassen müssen. Seine Familie wird ein Opfer des Holocausts.

Wolfschanze Foto: Gedenkstätte Deutscher Widerstand

Der geplante Umsturz
Am 20. Juli 1944 zündet Claus Schenk Graf von Stauffenberg im Hauptquartier Hitlers eine Bombe. Das Attentat in der Wolfschanze und der von zivilen und militärischen Unterstützern geplante Umsturz des Regimes scheitern.

Die Schreibmaschine der Geschwister Scholl ist in der Ausstellung zu sehen.

Widerspruch per Flugblatt
1943 verfasst die Weiße Rose um die Ulmer Geschwister Hans und Sophie Scholl insgesamt sechs Flugblätter. Mutig widersprechen sie der verbrecherischen Politik der Nationalsozialisten. Ihre Mitglieder werden denunziert und hingerichtet.

Der Untergrundsender des Stuttgarter Rundfunkpioniers Rudolf Formis

Der Untergrundsender
Der Stuttgarter Rundfunkpionier Rudolf Formis betreibt 1934/35 einen geheimen Radiosender. Aus einem Gasthof in der Nähe von Prag funkt er Informationen nach Deutschland. 1935 wird er durch ein Kommando-Unternehmen der Nationalsozialisten getötet.

Mit dieser Trommel demonstrieren am 31. Januar 1933 Hunderte Mössinger gegen die braune Revolution.

Einfache Leute stehen auf
Am 31. Januar 1933 demonstrieren Hunderte Mössinger trommelnd gegen die braune Revolution. Ein Generalstreik soll die Machtübertragung verhindern. Die Polizei löst den Zug auf, mehrere Mössinger kommen ins Gefängnis.

Elserdenkmal Foto: dpa picture alliance

Ein Tüftler als Bombenleger
Am 8. November 1939 lässt der Königsbronner Schreiner Georg Elser im Münchner Bürgerbräukeller eine Bombe explodieren. Adolf Hitler hatte den Raum aber schon zuvor verlassen und bleibt unverletzt. Elser wird 1945 hingerichtet. 2010 wurde ihm in Königsbronn ein Denkmal gesetzt.

Umstritten bis heute

Der Widerstand blieb nach Kriegsende umstritten. Mancher Widerstandskämpfer wurde als Verräter verachtet, andere gerieten in Vergessenheit. In der Bundesrepublik stand lange der bürgerliche, kirchliche und militärische Widerstand im öffentlichen Mittelpunkt. Erst Geschichtswerkstätten und Lokalhistoriker der 1980er-Jahre weiteten den Blick auf weitere Formen des Widerstands. Die DDR hingegen pflegte den Mythos des antifaschistischen Staats. Geehrt wurden meist nur Kommunisten. 
Authentische Exponate zeigen Beispiele der Instrumentalisierung des Widerstands bis heute. Auch die leichtfertige Verwendung des Begriffes Widerstand in aktuellen Debatten wird thematisiert.

Ausstellungsleitung: 
Prof. Dr. Paula Lutum-Lenger: paula.lutum-lenger(at)hdgbw.de
Kuratoren: 
Dr. Christopher Dowe: christopher.dowe(at)hdgbw.de
Dr. Cornelia Hecht: cornelia.hecht(at)hdgbw.de
Dr. Andreas Morgenstern: andreas.morgenstern(at)hdgbw.de

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Stefan Bergmann
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Information und Anmeldung
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