Hannes Kilian – Fotografien

Eine Sonderausstellung des Hauses der Geschichte im Kunstgebäude am Stuttgarter Schlossplatz von 12. Februar bis 29. April 2012

Der ganze Kilian

Drei Mädchen auf einer Frühlingswiese, 1938
Eine Ausstellung für die ganze Familie

Die Fotografien von Hannes Kilian (1909 bis 1999) sind im Gedächtnis geblieben. Immer wieder werden die beiden großen Werkkomplexe, die Aufnahmen der zerstörten Großstadt Stuttgart und die grandiosen Ballettbilder, in Büchern und Zeitschriften veröffentlicht. Eine Einzelausstellung im Haus der Geschichte, das heute Kilians fotografischen Nachlass beherbergt, widmete sich 2004 ausgewählten Bildreportagen, den "Bildergeschichten" des Stuttgarter Künstlers. Erstmals zeigt das Haus der Geschichte Baden-Württemberg nun im Kunstgebäude am Schlossplatz den "ganzen" Kilian. Die rund 360 Bilder, überwiegend Original-Abzüge aus seinem Atelier, decken die gesamte künstlerische Breite seines Fotoschaffens ab. Basis des aktuellen Projektes ist eine von Klaus Honnef betreute Kilian-Ausstellung, die 2009 in Berlin zu sehen war.

Weltausstellung, Paris 1937

1928, mit 19 Jahren, verließ Hannes Kilian sein Elternhaus in Ludwigshafen am Bodensee. In der Schweiz absolvierte er eine Fotografenlehre, ging später, 1933, für zwei Jahre nach Neapel und arbeitete dort für eine Bildagentur. Er begeisterte sich für die antike Kunst, die ihn in seinen Aufnahmen zeitlebens fesselte. Zurück in Deutschland machte er sich in Stuttgart selbständig und bot seine Bilder Verlagen und illustrierten Zeitschriften an. Einen Höhepunkt der Vorkriegsjahre bildete ein dreimonatiger Parisaufenthalt 1937. Hier fotografierte Kilian die Weltausstellung und das großstädtische (Nacht-)Leben der Metropole am Vorabend der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs.

Im Rausch der Bewegung

Gundel Kilian, die Witwe des Künstlers, in der Ausstellung
Die bekannte Balletttänzerin Birgit Keil vor einem Foto, das sie 1971 in New York zeigt
Anziehungspunkt: der Raum mit den Ballettfotos

Bildende Kunst, Literatur und Theater nicht nur in Stuttgart waren Arbeitsschwerpunkte des Fotoschaffens Hannes Kilians und beschreiben das kulturelle Selbstverständnis des Fotografen als Künstler. Für keinen anderen Bereich seines Werks gilt dies so sehr wie für seine Ballettbilder. Hannes Kilian, das zeigen nicht zuletzt seine sehr persönlichen Porträts, wurde zum freundschaftlich assoziierten Ensemblemitglied des „Stuttgarter Ballettwunders“ der Ära John Crankos und seiner Nachfolger mit den internationalen Tanzstars wie Márcia Haydée, Birgit Keil, Richard Cragun und Egon Madsen. In Schwarz- Weiß und auch in Farbe gelingen ihm Bilder, die sowohl die Schönheit als auch den Rausch der Bewegung kongenial einzufangen vermögen.

Das Kriegserlebnis als Zäsur

Lebenslust pur
Begegnung mit den Wirtschaftswunderjahren
Die zeitlose Schöne: Gina Lollobrigida

1941 wurde Hannes Kilian zur Wehrmacht eingezogen und fotografierte in einer Propagandakompanie den Russlandfeldzug. Noch im gleichen Jahr wurde er bei Kämpfen schwer verwundet. Als Kriegsversehrter kehrte er nach Stuttgart zurück. Die Zäsur des Kriegserlebnisses wird in den Bildern, die nach seiner Genesung entstanden, unmittelbar anschaulich. Sie zeigen Tod und Elend der Stuttgarter Zivilbevölkerung im Krieg. Der geradezu forensische Blick auf die Welt der Verwüstung verkehrt sich auch nach Kriegsende 1945 erst allmählich zu einer neuen Anteilnahme am Leben der Menschen. Die „Frontstadt“ Berlin zeigen Hannes Kilians Fotografien 1949 noch immer als Ort eines Untergangs, vielleicht auch eines Untergangs eigener Träume und Hoffnungen.

Erst Mitte der 1950er Jahre stellte Kilian diesen Bildern einen neuen Aufbruch vor allem im Kulturschaffen gegenüber. Seine Porträts von Thomas Mann, Erich Kästner, Carl Orff, Willi Baumeister oder Otto Dix stehen für einen Neubeginn im Zeichen der klassischen Moderne. Bald knüpfte er auch wieder an seine Reisebilder der 1930er Jahre an. Reportagen über das Ruhrgebiet ebenso wie die Impressionen aus Neapel, Spanien, Syrien und Amerika gehören zu den schönsten Bildeindrücken seines Werkes.

Noch mehr Informationen über den Fotografen Hannes Kilian finden Sie hier.