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Wie Neubürger und Alteingesessene zueinander fanden Große Landesausstellung "Ihr und Wir. Integration der Heimatvertriebenen in Baden-Württemberg" Kein Bollerwagen, kein Rucksack, kein Lager: Mit der Großen Landesausstellung "Ihr und Wir. Integration der Heimatvertriebenen in Baden-Württemberg" geht das Haus der Geschichte bewusst neue Wege. Nicht der Leidensweg von Flucht und Vertreibung steht im Vordergrund, sondern das Ankommen der Menschen in der neuen Heimat. Erfolge im Kleinen War noch 1961 jeder fünfte Baden-Württemberger ein Vertriebener oder ein Flüchtling, so ist die Integration der Heimatvertriebenen als Besonderheit der Landesgeschichte heute weitgehend aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit verschwunden. Die Ausstellung "Ihr und Wir" zeigt auf, wo und wie Vertriebene und Alteingesessene aufeinander trafen. Beispiele für solche Begegnungsfelder sind neben dem Wohnen die politische Partizipation, die Arbeitswelt, die Familie, die Vereine oder die Kirchen. In den insgesamt 28 Ausstellungsvitrinen werden diese zunächst theoretischen Begriffe in lebendige Geschichten übersetzt. Diese machen deutlich, wie sich der Südwesten durch die Neubürger veränderte. Ein Beispiel ist die Erfolgsgeschichte des 1920 im oberschlesischen Oppeln geborenen Handballers Bernhard Kempa. Mit Kempa als Spieler und Trainer erlebte das Team von Frisch auf Göppingen einen ungeahnten Aufstieg bis hin zum Gewinn des Europapokals im Jahre 1960. Unspektakulär, aber dennoch bemerkenswert ist eine Begebenheit aus Nürtingen: Dort blieben viele katholische Heimatvertriebene nach dem Gottesdienst zum Gespräch vor der Kirche beisammen. Die Einheimischen hatten für diese Art von Gemeindeleben zunächst wenig Verständnis. Als im Jahr 1957 aber die neue Nürtinger Kirche eingeweiht wurde, befand sich an der Kirchenfront ein langes Vordach. Zuvor hatte das Neubauprojekt, zum guten Teil von den Gemeindemitgliedern durch Spenden finanziert, die bunt zusammengewürfelten Nürtinger Katholiken einander näher gebracht. Heute ist klar: Im Ergebnis war der langwierige und schwere Prozess der Integration erfolgreich. Trotz Konflikten um Wohnraum, Arbeit und Chancen, trotz unterschiedlicher kultureller Traditionen fanden Alteingesessene und Neubürger allmählich zusammen. Identitäten wandeln sich
Der gelungene Integrationsprozess im Südwesten spiegelt sich auch im Wandel der Identitäten wider. Wer oder was sind diejenigen heute, die vor Jahrzehnten noch als “Vertriebene”, “Neubürger”, “Flüchtlinge” oder “Alteingesessene” galten - teils, weil sie sich selbst so nannten, teils, weil andere sie so bezeichneten? Als richtiger Weg zu einer neuen, gemeinsamen Identität erwiesen sich Wohnbauprojekte wie die Karlsruher Waldstadt, die bewusst Menschen verschiedenster Herkunft mischten. Dort bezeichneten sich die Bewohner schon Mitte der 60er Jahre selbstbewusst als “Waldstädter”. Und heute ist fast in Vergessenheit geraten, wer einmal woher kam. Vertreibung und Integration bleiben aktuell Die Ausstellung greift noch weiter: Zwar ist das Schicksal der deutschen Heimatvertriebenen und Flüchtlinge als solches einzigartig, aber Vertreibung und Integration bleiben aktuell. Zur Zeit halten sich rund 66 000 Flüchtlinge aus aller Welt in Baden-Württemberg auf. Fünf beispielhafte Biographien zeigen wie Flüchtlinge und ihre Familien in neuerer Zeit kriegs- und krisenbedingt aus ihrer Heimat vertrieben wurden und heute im Südwesten leben. Sie stammen aus Bosnien, dem Irak, dem Sudan, aus Vietnam und Kambodscha und bauen sich nach ihrer Anerkennung als Flüchtlinge hier eine neue Existenz auf. Veranstalter: Die Große Landesausstellung "Ihr und Wir. Integration der Heimatvertreibenen in Baden-Württemberg" ist eine Kooperation vom Haus der Geschichte Baden-Württemberg in Stuttgart mit dem Institut für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde (IDGL) in Tübingen. |
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