Leben für die Fotografie

Der Amateur wird Profi

"Gymnaestrada" 1961 in Stuttgart

Seine ersten Schnappschüsse schoss der spätere Fotoreporter Rupert Leser, als er als junger Sportler selbst aktiv an Turnveranstaltungen teilnahm. Veranstalter und Vereinszeitschriften wurden auf das Talent Lesers aufmerksam, druckten seine Bilder und zahlten ihm, dem Amateur, bald auch Honorare für seine Bilder. Ein später mehrfach prämiertes Bild von der "Gymnaestrada" 1961 in Stuttgart zeigt eine Tanzgruppe vor der Stuttgarter Liederhalle. Dieses Foto erschien zunächst in den "Stuttgarter Nachrichten". Ein Erfolg, der den gelernten Schriftsetzer damals dazu bewog, es mit der Fotografie als Beruf zu probieren. Ein Angebot der "Schwäbischen Zeitung" lag ihm bereits vor.

Chronist der Olympischen Spiele

Eröffnungsfeier München 1972
US-Sprinterin Florence Griffith-Joyner

Neben dem Redaktionsalltag in Oberschwaben entwickelte Rupert Leser die Sportfotografie zu einem Schwerpunkt seiner Arbeit. Handwerkliche Meisterschaft und der oft ungewöhnliche Blickwinkel auf seine Motive sicherten seinen Bildern einen immer größeren Stellenwert. Sie erschienen nicht nur in der "Schwäbischen Zeitung". Große, internationale Sportveranstaltungen, darunter zwölf Olympische Spiele, fotografierte Rupert Leser auch für weltweit tätige Agenturen und Magazine wie den "Stern". Ein Angebot des "Stern", nach Hamburg zu gehen, lehnte der überzeugte Oberschwabe ab. Das Magazin publizierte schon früh Farbfotografien und ganze Bildstrecken von ihm. Er gehörte damit zu den wichtigsten deutschen Sportfotografen seiner Zeit.

In seiner Heimatregion selbst steht der Name Leser heute vor allem für feinfühlige Sozialreportagen. Zu den Höhepunkten zählt beispielsweise eine Bildreportage über psychisch Kranke in Bad Schussenried. Ungeschminkt, aber zugleich liebevoll bildet Leser diese für die meisten Menschen unbekannte Welt ab. Ebenso eindrucksvoll sind Lesers Fotos von den zurückgezogen lebenden Karthäusermönchen im Kloster Marienau. Ihm, dem geduldigen Beobachter, gestatteten sie erstmals, das Leben hinter Klostermauern für eine breitere Öffentlichkeit zu dokumentieren.

Bilanz der ersten Nachkriegsgeneration

Ludwig Erhard, Kanzler des Wirtschaftswunders
Rauchende Hippie-Frau

Die erste große Retrospektive auf das Gesamtwerk Rupert Lesers im Haus der Geschichte Baden-Württemberg versteht sich nicht nur als "Blütenlese" oder "Best of" seines Schaffens. Die Rückschau dokumentiert Kontinuität und Wandel im öffentlichen und privaten Leben Oberschwabens – beispielhaft für diese spezielle Region des Südwestens, aber auch weit darüber hinaus.

Im Fluss der Bilder durch fast vier Jahrzehnte wandeln sich die Themen und Perspektiven. Eines bleibt dabei aber gleich: die Anteilnahme des Fotografen am Geschehen. Rupert Lesers Bilder sind Innenansichten einer Gesellschaft und zugleich Bilanz der ersten Nachkriegsgeneration bis hin zur Wiedervereinigung Deutschlands.