»Liebe Deinen Nachbarn -
Beziehungsgeschichten im Dreiländereck«

Große Landesausstellung: Haus der Geschichte zu Gast im Augustinermuseum

Francis und Rudi begegnen sich zum ersten Mal in ihrem Leben, 2006 Foto: privat

Eine Zeitreise durch zwei Jahrhunderte Nachbarschaftsbeziehungen bietet das Haus der Geschichte Baden-Württemberg mit seiner Ausstellung »Liebe Deinen Nachbarn - Beziehungsgeschichten im Dreiländereck« an. Die Große Landesausstellung ist aus Anlass des 60. Geburtstages des Südweststaates vom 28. April bis 30. September 2012 im Augustinermuseum in Freiburg zu sehen. Sie nimmt die wechselvolle Geschichte der Nachbarschaft zwischen Frankreich, Schweiz, Baden und Württemberg in den Blick.

»Liebe Deinen Nachbarn«. Diese Aufforderung ist leichter gesagt als umgesetzt. Und so sind es Geschichten von schmerzvoller, nutzbringender, leidenschaftlicher, manchmal aber auch desinteressierter Nachbarschaft, die das Verhältnis von Deutschen, Franzosen und Schweizern im Dreiländereck bestimmt haben. Die Ausstellung präsentiert keine voneinander getrennten Nationalgeschichten, sondern zeigt, dass die Menschen hüben und drüben existenziell aufeinander angewiesen und ihre Leben untrennbar miteinander verwoben sind.

Die Begegnungen zwischen den Nachbarn sind persönlich, oft privat - Beziehungsgeschichten von Menschen über Ländergrenzen hinweg. Die Vorzeichen, unter denen sie stattfinden, sind aber immer von Politik und Gesellschaft geprägt. In welcher historischen Situation, aus welchen Gründen, mit welchen Vorstellungen voneinander traf man sich? Wie gestalteten die Menschen ihre Beziehungen? Und wie prägte die Nachbarschaft ihr Handeln? Vor allem aber: Wie veränderten sich die Nachbarn durch diese Begegnungen?

Aus diesem Pistolenmagazin stammte der tödliche Schuss Foto: Deutsches Tagebucharchiv Emmendingen

Durch alle Zeiten entwickelten sich Liebesbeziehungen zwischen Nachbarn, die nicht selten die politisch erwünschten Konstellationen durchkreuzten. Dies zeigt ein Beispiel: die tragische Geschichte einer württembergischen Frau, die einen französischen Kriegsgefangenen liebte. »Tragt mir nicht nach was jetzt passiert. Ich könnte anders Hugo nicht halten«, schrieb Hannelore Messemer am 14. Mai 1942 an ihre Eltern in Stuttgart. Dann schoss sie sich eine Kugel in den Kopf. Ihr französischer Geliebter Hugo nahm sich ebenfalls das Leben. Eine solche Liebesbeziehung mit dem »Feind« war strengstens verboten und wurde mit hohen Gefängnisstrafen geahndet, für den Franzosen konnte sie sogar ein Todesurteil bedeuten. Unter diesen Vorzeichen glaubten die Liebenden anscheinend, nur gemeinsam sterben und nicht gemeinsam leben zu können. Das Pistolenmagazin, aus dem der tödliche Schuss stammte, ist im Augustinermuseum zu sehen.

Ausstellungsleitung: Dr. Paula Lutum-Lenger
Kuratoren: Dr. Franziska Dunkel, Dr. Sebastian Dörfler, Grit Keller

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