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Haus der Geschichte Baden-Württemberg

Projekte

Fritz Bauer

Schülerausstellung "Fritz Bauer -Jurist aus Leidenschaft"

Das Haus der Geschichte hat die Erarbeitung der Schülerausstellung in allen Phasen begleitet. Die Suche nach Objekten, die Geschichte erzählen, und die Entwicklung einer Narration mit Exponaten, Bildern und Texten, die zeigen, was den Schülerinnen und Schülern an Fritz Bauers Person und Werk wichtig sind, gestalteten sich als anspruchsvolle Aufgabe, die die Schülerinnen und Schüler engagiert übernahmen. Sie wählten auch eigenständig den Titel ihrer Schau, der prägnant ihre Perspektive auf den einstigen Mitschüler zusammenfasst: "Fritz Bauer - Jurist aus Leidenschaft".

Die Bauer-Ausstellung im Galerieraum des Hauses der Geschichte

Die Ausstellung

Die Schau orientiert sich an den Arbeiten der Schülerinnen und Schüler zu ausgewählten Aspekten der Biographie von Fritz Bauer (1903 - 1968) und der Erinnerung an ihn. Sie gliedert sich in fünf Abschnitte.

Kindheit und Berufung

Dieser Bereich beschäftigt sich mit der Jugend Bauers: Fritz Bauer, Kind einer deutsch-jüdischen Familie, wurde 1903 in Stuttgart geboren. Nach seinem Abitur am Eberhard-Ludwigs-Gymnasium 1921 studierte er Rechtswissenschaft und Volkswirtschaftslehre in Heidelberg, München und Tübingen. 1930 nahm er als jüngster Amtsrichter Deutschlands seine Arbeit beim Amtsgericht Stuttgart auf.

Politisches Engagement und KZ-Haft

Der verantwortliche Schüler stellt in diesem Bereich den politischen Aktivisten Bauer vor: Er war früh auch politisch aktiv, trat der SPD bei, war Mitbegründer des Republikanischen Richterbundes in Württemberg und wurde 1930 Vorsitzender der Ortsgruppe des "Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold". 1933 war er wegen seines politischen Engagements für neun Monate in den Konzentrationslagern Heuberg und Ulm inhaftiert. Nach seiner Entlassung emigrierte Bauer 1935 nach Dänemark, später nach Schweden.

Neuanfang in Braunschweig

Vier Jahre nach Kriegsende kehrte Bauer nach Deutschland zurück und begann mit der lebensfüllenden Aufgabe, NS-Kriegsverbrecher zu jagen. Die Schülerin hat sich vor allem mit dem Remer-Prozess beschäftigt: Als Generalstaatsanwalt in Braunschweig nutzte er 1952 den Prozess gegen den Nazi Otto Ernst Remer zur Würdigung und Rehabilitierung der Attentäter des 20. Juli.

Der Fall Eichmann und der Auschwitz-Prozess

Ein junger Geschichtsexperte hat sich mit der wichtigen Rolle beschäftigt, die Fritz Bauer bei der Ergreifung von Adolf Eichmann gespielt hat. 1963 war Bauer, inzwischen Leiter der Staatsanwaltschaft Frankfurt, für das Zustandekommen des Auschwitz-Prozesses verantwortlich.

Tod und Erinnerung

Fritz Bauer starb unerwartet 1968 in seiner Wohnung.Für den letzten Abschnitt der Ausstellung hatten die Schülerinnen und Schüler eine besondere Gestaltungsidee: In einem Archivregal ließen sie Regalböden leer, um zu zeigen, dass Fritz Bauer über 40 Jahre lang nahezu vollkommen in Vergessenheit geraten war. Erst das untere Drittel des Regals füllt sich mit Objekten der Erinnerung an den Juristen aus Leidenschaft: Ein Film, eine Biographie, das Programm eines Theaterstücks, das Schild eines Saals im Amtsgericht und nicht zuletzt die schriftlichen Seminarkursarbeiten waren dort zu sehen.

Schülerkuratorinnen und -kuratoren

Rosa Aurich
Thomas Kaluza
Ella Kern
Alexander Mayer
Maxi Pfitzer
Antonia Schüppen

Geschichtslehrer

Joachim Philipp

Die Schülerausstellung in der Stauffenberg-Erinnerungsstätte (Fotos: HdGBW)

Die Stationen

Learning Center im Haus der Geschichte Stuttgart

Mehr als 80 Besucherinnen und Besucher folgten am  25. Oktober 2012 der Einladung zur Eröffnung der Ausstellung "Fritz Bauer - Jurist aus Leidenschaft" im Haus der Geschichte. Ausstellungsleiterin Prof. Dr. Paula Lutum-Lenger lobte die Leistung der Abiturienten: "Das ist eine kleine, aber sehr feine und sehr engagierte Ausstellung geworden, welche ihren Platz im Learning Center des Hauses der Geschichte im wahrsten Sinne des Wortes verdient."

Eberhard-Ludwigs-Gymnasium Stuttgart

Am 11. März 2013 wurde die Fritz-Bauer-Ausstellung in der ehemaligen Schule des Juristen eröffnet. Als Festrednerin berichtete die ehemalige Justizministerin Herta Däubler-Gmelin von ihren persönlichen Erinnerungen an Fritz Bauer: Sie und andere junge Juristen hatten Fritz Bauer zu Beginn der 1960er Jahre zu einen Gedankenaustausch eingeladen - auch um seine Arbeit, bei der er mit großen Widerständen zu kämpfen hatte, zu würdigen. Frau Däubler-Gmelin beließ es nicht bei Erinnerungen, sondern regte am Ende ihres Vortrags an, einen "Fritz-Bauer-Preis" an der Schule ins Leben zu rufen für Schülerinnen und Schüler, die sich besonders für andere oder für die Zivilgesellschaft engagierten. Die Anregung wurde umgehend von der Schule aufgegriffen. Der "Fritz-Bauer-Preis" wurde 2013 zum ersten Mal verliehen.

Amtsgericht Stuttgart

Die dritte Station der Schülerausstellung war das Foyer des Amtsgerichts Stuttgart, an dem Fritz Bauer als jüngster deutscher Amtsrichter in der Zeit von 1930 bis 1933 tätig war. Am 15. Mai 2013 wurde die Ausstellung im Fritz-Bauer-Saal eröffnet. Nach Grußworten der Kooperationspartner und der Ausstellungseinführung durch die Schülerin Ella Kern sprach Friedemann Rincke vom Haus der Geschichte über die Rolle der Justiz in Südwestdeutschland während der NS-Zeit.

Stauffenberg-Erinnerungsstätte Stuttgart

Nach einem "Ausflug" zu einer Tagung nach Königsbronn war die Schülerausstellung vom 7. November 2013 an einen Monat in der Stauffenberg-Erinnerungsstätte zu sehen. Sie wurde in die Dauerausstellung des Hauses der Geschichte über das Leben der Brüder Stauffenberg integriert: Fritz Bauer und die Stauffenberg-Brüder besuchten fast zur selben Zeit das Eberhard-Ludwigs-Gymnasium. Nach den Angaben des Bauer-Biographen Ronen Steinke sind sie sich in der Theatergruppe der Schule auch persönlich begegnet. Nach der Schule trennten sich die Lebenswege der drei, die sie alle in den Widerstand gegen das NS-Regime führten. Am Ende des Krieges hatten die beiden Verschwörer des 20. Juli ihren Widerstand mit dem Leben bezahlt, galten aber im eigenen Land bis in die 1950er Jahre noch als Verräter. Bauer hat als einer der ersten ihre Widerstandstat öffentlich positiv gewürdigt. Während Claus und Berthold Schenk Graf von Stauffenberg als Hitler-Attentäter und Verschwörer des 20. Juli 1944 bis heute vielen Menschen im Gedächtnis geblieben sind, ist der nur wenige Jahre ältere Jurist Bauer weitgehend in Vergessenheit geraten.

Baden-württembergische Landesvertretung Berlin

Zu einer besonderen Veranstaltung war das Kooperationsprojekt zu Fritz Bauer am 18. November 2014 eingeladen: Im Rahmen eines Abendvortrags war die Schüler-Ausstellung in der Landesvertretung Baden-Württemberg in Berlin zu sehen. Im vollbesetzten Saal der Landesvertretung hörten die interessierten Besucherinnen und Besucher Vorträge von Bundesministerin a.D. Prof. Dr. Herta Däubler-Gmelin und Generalstaatsanwalt Dr. Erardo Cristoforo Rautenberg. Vor der Veranstaltung und während der Pause besuchten viele der Teilnehmenden die Ausstellung im Foyer der Landesvertretung und diskutierten das Wirken des Stuttgarter Juristen, darunter auch ehemalige Schüler des Eberhard-Ludwigs-Gymnasiums.

Ebert-Gedenkstätte Heidelberg

In der "Reichspräsident Friedrich-Ebert-Gedenkstätte" in der Heidelberger Altstadt wurde die Ausstellung vom 27. November 2014 bis 11. Januar 2015 gezeigt. Die Präsentation ging auf die Initiative des Lehrers Joachim Philipp zurück, der das Projekt am Eberhard-Ludwigs-Gymnasium betreut hatte und nun stellvertretender Schulleiter am Max-Born-Gymnasium im nahe gelegenen Neckargmünd ist.