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Haus der Geschichte Baden-Württemberg

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Nationalstaat

Einbindung in den Nationalstaat in der Zeitleiste

Nach dem Sieg über Frankreich im Krieg 1870/71 entstand unter preußischer Führung das deutsche Kaiserreich. Baden und Württemberg wurden zu Teilstaaten. Sie standen in vielen Bereichen an der Spitze des politischen Fortschritts. Bei Verwaltung, Wahlrecht und Bildung gab es im Südwesten liberale Reformen. Frauen bekamen Zugang zu Gymnasien und Hochschulen. Aber sie hatten weiterhin keine politischen Rechte. Kulturkampf und Sozialistengesetze zeigten ebenso illiberale Seiten des Kaiserreiches wie Nationalismus, Imperialismus und Kolonialismus.

In Württemberg galt ab 1868, in Baden ab 1904 das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Männerwahlrecht. Beide Landesregierungen verfolgten nach der Aufhebung des Sozialistengesetzes 1890 einen liberalen Kurs gegenüber der Sozialdemokratie. Wenig liberal verhielt sich die badische Regierung im Kulturkampf mit der katholischen Kirche. Die Einführung der überkonfessionellen Schule, der Zivilehe und des „Kulturexamens“ führte zu Konflikten.

Alle Epochen im Überblick

Aus unseren Ausstellungen und Projekten

Reformen für Frauen

Im deutschen Südwesten tat sich etwas für Frauen: 1893 wurde ein Mädchengymnasium in Karlsruhe eröffnet, 1899 in Stuttgart. Zum Studium waren Frauen in Baden ab 1900, in Württemberg ab 1904 zugelassen. Allerdings hatten sie weiterhin keine politischen Rechte.

Stuttgart stellte 1903 die erste Frau im Polizeidienst an: Henriette Arendt. Die männlichen Polizisten waren dem Umgang mit weiblichen Beschuldigten nicht gewachsen. Immer wieder kam es zu Misshandlungen und Übergriffen. In drei Jahren betreute Arendt 4.266 Inhaftierte - vor allem Frauen, die der Prostitution verdächtig waren. Ihre Arbeit als Polizistin endete im Streit: Nach langen Auseinandersetzungen mit der Leitung der Polizei kündigte sie im November 1908.

Hohenzollernfahne Haigerloch

Wie sehr sich die jüdischen Gemeinden mit ihrer deutschen Heimat und dem jungen Reich identifizierten, zeigt die Fahne des Haigerlocher jüdischen Männergesangvereins "Liederkranz". Auf ihr prangt die Hohenzollernburg, das Wahrzeichen der Region. Und auch das Repertoire des Chores war typisch für die Gesangvereine der Kaiserzeit. Der Vereinsvorsitzende Nathan Levi beschwor die "Pflege der vaterländischen Gesinnungen" durch das deutsche Lied.

Jahrzehnte lang war die Beteiligung des Liederkranzes bei Feierlichkeiten der Stadt eine Selbstverständlichkeit. Doch nach der Machtübertragung an die Nationalsozialisten wurde der Chor aus dem Schwäbischen Sängerbund ausgeschlossen. Er fand keinen Dirigenten mehr, die Vereinstätigkeit kam zum Stillstand. Im Dezember 1938 löste sich der Liederkranz auf. 

Die Fahne ist in der Ausstellung "Spurensicherung" in der ehemaligen Synagoge in Haigerloch zu sehen.

Web-Talk: Freiheitlich, rechtsstaatlich, demokratisch? Das Deutsche Kaiserreich von 1871

Vor 150 Jahren entstand das Deutsche Kaiserreich als Folge des Kriegs gegen den Nachbarn Frankreich. Im Rückblick erschien der erste deutsche Nationalstaat mal mehr als Obrigkeitsstaat, mal mehr als Klassengesellschaft. Doch wie ist das Deutsche Kaiserreich in der deutschen Demokratiegeschichte zu verorten? Darüber diskutierten am 12. Januar 2021 die Historikerinnen Prof. Dr. Hedwig Richter und Prof. Dr. Sylvia Schraut in einem Web-Talk.

Links zum Kaiserreich

Partizipationskalender "Des Volkes Stimme"

Blogbeiträge über die Zeit

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