Pressemitteilung von 15.10.2026
Jüdisches Leben entdecken – Gemeinsam im ganzen Land
Schwäbisch Hall (hdgbw) – Das Haus der Geschichte Baden-Württemberg setzt gemeinsam mit einem landesweiten Netzwerk ein Zeichen für eine offene, vielfältige und demokratische Gesellschaft. „Das von uns initiierte Projekt verbindet Menschen, jüdisches Leben und jüdische Geschichte an vielen Orten des Landes“, sagte HdGBW-Direktorin Dr. Cornelia Hecht-Zeiler beim Auftakt-Mediengespräch „Mittendrin im Land“ am 15. Oktober in Schwäbisch Hall. Ein breites gesellschaftliches Bündnis aus Museen, Erinnerungsorten, Kultur- und Bildungseinrichtungen, jüdischen Gemeinden, Kommunen, Vereinen sowie vielen weiteren Partnerinnen und Partnern gestaltet gemeinsam ein vielfältiges Programm. „Wir freuen uns als Landesmuseum, wenn das Netzwerk auf Dauer Bestand hat und wächst. Gemeinsam bieten sich uns viele Möglichkeiten, darin landesweit Angebote historisch-politischer Bildung zu entwickeln.“
Impulsgeberin für das Kooperationsprojekt ist die Große Landesausstellung „Jüdisches Leben: Mittendrin“ im Haus der Geschichte Baden-Württemberg in Stuttgart. „Vom 19. Februar 2027 bis 9. Januar 2028 lädt sie dazu ein, jüdisches Leben neu zu entdecken – vielstimmig, lebendig und mitten in unserer Gesellschaft“, blickt HdGBW-Ausstellungsleiter Dr. Rainer Schimpf voraus. „Im Mittelpunkt stehen Menschen mit ihren Geschichten und Perspektiven, die das Land geprägt haben und bis heute prägen.“
Das Landesnetzwerk „Mittendrin: Jüdisches Leben im Südwesten“ verbindet dazu regionale Perspektiven mit aktuellen gesellschaftlichen Fragen in Ausstellungen, Gesprächen, Konzerten, Filmformaten, Lesungen, Rundgängen und weiteren Veranstaltungen – von Wertheim bis Friedrichshafen, von Efringen-Kirchen bis Ulm.
Gefördert wird das Projekt von der Berthold Leibinger Stiftung. „Mit ‚Mittendrin‘ entsteht ein starkes Netzwerk, das die Vielfalt jüdischen Lebens verdeutlicht und Menschen und Institutionen in ganz Baden-Württemberg zusammenbringt“, sagt Stiftungsgeschäftsführer Markus Wener. „Die Berthold Leibinger Stiftung unterstützt das Projekt, weil es Erinnerungskultur und gesellschaftlichen Zusammenhalt auf besondere Weise verknüpft und nachhaltige Kooperationsstrukturen schafft.“
Der Jüdische Kultur- und Religionsverein Kehl bringt seine Erfahrungen aus der jüdischen Gemeinde-, Bildungs- und Begegnungsarbeit im grenzüberschreitenden Raum Kehl–Straßburg mit in das Projekt ein. „Für uns bedeutet ‚Mittendrin‘, Erinnerung nicht nur als moralische Pflicht zu verstehen, sondern jüdische Perspektiven tatsächlich wahrzunehmen und jüdisches Leben in seiner Gegenwart sichtbarer zu machen“, so Vorstand David Byk. Schon vor dem offiziellen Projektauftakt hat der Verein mit einer Lesung der Journalistin und Autorin Mascha Malburg („Worüber Juden reden“) einen ersten Impuls gegeben.
Konzerte, Lesungen, besondere Führungen an Original-Schauplätze und Vorträge – etwa zum Synagogenmaler Eliezer Sussmann – umfassen die Beiträge des Hällisch-Fränkischen Museums und weiterer Kooperationen in Schwäbisch Hall. Für Museumsleiterin Dinah Rottschäfer verbindet das „Mittendrin“-Projekt „Geschichte und Gegenwart auf besondere Weise“. Sie sieht darin „eine große Chance, die vielfältige Geschichte jüdischen Lebens im ländlich geprägten Hohenlohe-Franken erlebbar zu machen und zugleich seine Bedeutung für unsere Gegenwart zu zeigen“.
Die „Mittendrin“-Angebote wirken lokal und im ganzen Land: Das Kinomobil Baden-Württemberg ist mit Filmen zu jüdischem Leben unterwegs. Das Haus des Dokumentarfilms bringt den Film „Holofiction“ mit dem Regisseur Michal Kosakowski in mehrere Regionen. Die Landeszentrale für politische Bildung, das Evangelische Bildungszentrum Hospitalhof Stuttgart und das Haus der Geschichte haben die Reihe „Im Gedenken unterwegs“ entwickelt. Sie umfasst unter anderem Exkursionen an Orte jüdischer Geschichte in Laupheim, Göppingen-Jebenhausen, Freudental und Breisach. Zu den Ausstellungen des „Mittendrin“-Netzwerks gehören „Die Nachbarn werden weggebracht“ in der Ehemaligen Synagoge Rexingen und „AugenBlicke“ im Jüdischen Museum Gailingen.
Das aktuelle Programm findet sich auf der Website www.mittendrin-bw.de.
Erste Informationen zur Großen Landesausstellung: www.mittendrin-ausstellung.de