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Haus der Geschichte Baden-Württemberg

Aktuelle Sonderausstellung

Hut ab!

HdGBW aktuell

Das Haus der Geschichte Baden-Württemberg hat wieder geöffnet und macht Besucherinnen und Besuchern ein Führungsangebot: Für Kleingruppen von bis zu vier Personen können Museumsgespräche gebucht werden. Da wir wegen der Maßnahmen zum Schutz vor der Corona-Pandemie vorerst keine öffentlichen Führungen und Veranstaltungen durchführen, bieten wir einen Teil davon auf unseren digitalen Kanälen an.

Pickelhaube, Pussyhat und andere Kopfgeschichten

Ausstellung im Haus der Geschichte Baden-Württemberg vom 20. Dezember 2019 bis zum 2. August 2020

 

Was der Mensch auf seinem Kopf trägt, setzt Zeichen: Die Pickelhaube zeugt von Macht, die Cloche von Stil, der Zylinder von Stand, der Heckerhut von Haltung, das Kopftuch von Moral. Aber stimmt das? Die Ausstellung "Hut ab!" gibt Einblicke in ein kompliziertes und widersprüchliches Zeichensystem. Sie führt durch Zeiten, in denen Kleidung ohne Kopfbedeckung nicht vollständig war, und zeigt, welche Kopfsachen inzwischen umstritten sind.

Die Schau präsentiert Hüte aus Alltag, Politik und Beruf ebenso wie die Bedeckungen berühmter Köpfe wie Schiller, Heidegger oder Heuss. Sie beschäftigt sich mit der Symbolik und den Geschichten von Kopfbedeckungen - als Ausdruck dessen, wie Menschen gesehen werden wollen und sollen.

Öffnungszeiten
Di bis So. 10 - 18, Do bis 21 Uhr
Mo geschlossen
Öffnungszeiten an Feiertagen

Eintrittspreise
Erwachsene 5 Euro
Ermäßigt 2,50 Euro
Schüler frei
Details zu den Preisen

Katalog
192 Seiten; Preis 21 Euro
Bestellung

  • Begleitprogramm

 

 

 

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Der Film zur Ausstellung

Kurator Dr. Sebastian Dörfler stellt die Ausstellung "Hut ab! Pickelhaube, Pussyhat und andere Kopfgeschichten" im Haus der Geschichte Baden-Württemberg vor. Leihgeber erzählen die Geschichte ihres Objekts, und Besucher beschreiben ihre Eindrücke von der Ausstellung.

Geschichten aus der Ausstellung

Jede Vitrine greift eine Zeit oder ein Thema auf und zeigt züchtige, martialische, provozierende, intellektuelle oder modische Kopfbedeckungen. Um manche - wie das islamisch Kopftuch - wurde und wird gestritten. Andere stehen für Kritik, wie der "Pussyhat". Und Hutmode kann auch Auslöser einer mächtigen Bewegung werden.

Fereshta Ludin vor dem Bundesverfassungsgericht: Sie stritt in Karlsruhe vergeblich dafür, als Lehrerin in Baden-Württemberg Kopftuch tragen zu dürfen.
Als Referendarin erlaubt: Während ihrer Ausbildung zur Lehrerin in Plüderhausen trug Fereshta Ludin dieses Kopftuch.

Kopftuchstreit

Bis vor das Bundesverfassungsgericht zog die Lehrerin Fereshta Ludin wegen einer Kopfbedeckung. Nach ihrem Referendariat in Plüderhausen verweigerte ihr das Land Baden-Württemberg die Übernahme in den Schuldienst, weil ihr Kopftuch gegen das Neutralitätsgebot für Lehrkräfte verstoße. Ludin sieht das Kopftuch jedoch als Teil ihrer Identität. Der Streit ging bis vor das höchste deutsche Gericht. Das entschied 2003, dass die Bundesländer ihren Lehrerinnen das Tragen von Kopftüchern untersagen könnten. 2015 ergänzte das Bundesverfassungsgericht, dass Verbote nur zulässig seien, wenn durch eine Lehrerin mit Kopftuch eine "hinreichend konkrete Gefahr" für den Schulfrieden bestehe.

Makabre Mode: Teilweise gehörten ganze Vögel - besonders gerne Paradiesvögel - um 1900 zur Hutmode.
Model mit Vogelfederhut: Was damals zum Modealltag der vornehmen Dame gehörte, wird heute nur noch auf der Bühne getragen.

Raubmord

Die Jagd nach Schmuckfedern für immer aufwendigere Hutkreationen steigerte sich im frühen 20. Jahrhundert zu einer weltumspannenden Schmuckfederindustrie. Begehrt waren Reiher-, Straußen- und später Paradiesvogelfedern. Auch das Gefieder von Marabu, Fasan, Auerhahn und Kolibri wurde gehandelt. Das massenhafte Töten von Wildvögeln stieß allerdings auf Protest. Lina Hähnle (1851-1941) stellte sich an die Spitze des deutschen Vogelschutzes. In der Liederhalle in Stuttgart gründete sie 1898 den "Schwäbischen Bund der Vogelfreunde", aus dem ein Jahr später der "Deutsche Bund für Vogelschutz" hervorging. Er war der Vorläufer des NABU. Heute hat der Naturschutzbund Deutschland mehr als 660.000 Mitglieder. Aus dem Widerspruch von Einzelnen wurde eine breite Volksbewegung.

Demo gegen Frauenfeindlichkeit: Auch in Heidelberg protestierten Frauen 2017 am Tag der Amtseinführung Trumps mit Pussyhats.
International und umstritten: der Pussyhat. (Fotos: Haus der Geschichte Baden-Württemberg, Volker Schrank, dpa picture alliance, Bernd Eidenmüller, Philipp Rothe)

Pussyhat

Am Tag nach der Amtseinführung von US-Präsident Donald Trump protestierten Aktivistinnen für Frauenrechte in Washington mit einem "Women's March" gegen Frauenfeindlichkeit und Rassismus. Weltweit wurden am gleichen Tag ähnliche Demonstrationen veranstaltet, unter anderem in Heidelberg. Der "Pussyhat", eine rosa Mütze mit angedeuteten Katzenohren, wurde zum Symbol der Bewegung. Es spielt auf die Aussage von Trump an, er könne nach Belieben Frauen an die "Pussy" greifen - und auf den Doppelsinn des Wortes, das sowohl "Kätzchen" heißt als auch für die weiblichen Genitalien steht. Der Versuch, frauenfeindliche Stereotype positiv zu besetzen, stieß jedoch bei manchen Aktivistinnen auf Skepsis oder Ablehnung.

Welche tragische Geschichte steckt aber hinter einer Reihe von Studentenmützen? Wer hat nur wegen seiner Kopfbedeckung überlebt? Warum hat der "badische Bollenhut" auch schwäbische Wurzeln? Und wieso sieht ein falscher Heckerhut echter aus als ein echter Heckerhut?

Noch viel mehr Kopfgeschichten gibt es in der Ausstellung...

Medienberichterstattung zur Ausstellung