- Film
1947: Brexit India
Dokumentarfilm über ein Kalkül mit katastrophalen Folgen - Warm Up für das 23. Indische Filmfestival
Datum
21.06.2026
11:00 Uhr
Standort
Haus der Geschichte
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Die Dokumentation “1947: Brexit India” von Regisseur Sanjivan Lal analysiert die britische Herrschaft in Indien aus einer ökonomischen Perspektive und begreift sie als gescheitertes Geschäftsmodell, dessen Ende 1947 einem “Brexit” glich. Als Warm Up für das 23. Indische Filmfestival Stuttgart vom 23. bis 26. Juli in den Stuttgarter Innenstadtkinos zeigt das Haus der Geschichte Baden-Württemberg die zweistündige Doku in englischer Sprache.
Unter der Erzählstimme des bekannten indischen Schauspielers Boman Irani und basierend auf Recherchen von Dr. Swarnjit Singh verdeutlicht der Film, wie der überhastete Rückzug der Briten nach dem Zweiten Weltkrieg in eine humanitäre Katastrophe mündete.
“1947 : Brexit India” fegt jede koloniale Romantik vom Tisch. Regisseur Sanjivan Lal argumentiert nüchtern: Die Präsenz der Briten auf dem Subkontinent – eine kleine Verwaltungselite – war kein politisches Projekt, sondern ein knallhartes, kommerzielles Business. Als dieses nach dem Zweiten Weltkrieg unprofitabel wurde, zog sich die Führungsebene hastig zurück. Der Abzug war, so die Filmemacher, keine humanitäre Geste, sondern die überstürzte Liquidation eines defizitären Empires.
Diese rein betriebswirtschaftliche Entscheidung mündete in einer Katastrophe: Die überstürzte Teilung des Landes forderte eine Million Tote und vertrieb 20 Millionen Menschen. Das Werk, das bereits auf den Filmfestivals in Goa (IFFI) und Mumbai (MIFF) überzeugte, macht deutlich: Wenn Staaten wie Aktiengesellschaften geführt werden, zahlen die Menschen den Preis für den Bankrott.
Nicht der Branchen-Riese Bollywood, sondern das greller, lauter und sozialkritischer inszenierte südindische Mollywood-Kino gibt vom 23. bis 26. Juli beim 23. Indischen Filmfestival Stuttgart den Ton an. Trotz einer wegen gekürzter Fördermittel verschlankten Form bleiben inhaltliche Qualität und Vielfalt des Programms erhalten: gesellschaftspolitische Spielfilme, hochkarätige Debüts, trotzige Visionen sowie intensive dokumentarische Porträts über einen Vielvölkerstaat, der von Gegensätzlichkeiten lebt. Das Programm präsentiert mehr als 70 Spiel-, Kurz- und Dokumentarfilme aus allen Regionen Indiens, darunter zahlreiche Welt-, Europa- und Deutschlandpremieren.
Der Eintritt zum Warm Up im Haus der Geschichte ist frei.
Weitere Informationen: indisches-filmfestival.de